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Wein und Kulinarik im Burgenland

Am 3. Mai starteten wir nach dem Unterricht mit großer Vorfreude auf unsere Weinreise ins Burgenland, nach Eisenstadt. Herr FV Mucher sorgte mit einem sehr informativen Online-Quiz für eine kurzweilige Busfahrt.

Im Gästehaus der Wirtschaftskammer Burgenland bezogen wir unsere Zimmer. Gleich nach dem Frühstück am Freitag ging es mit dem Bus nach Gols. Dort spürten wir förmlich das pannonische Klima, welches das Burgenland und besonders die Region um den Neusiedler See, zu einem der besten Weinbaugebiete Österreichs macht. Herzlich empfangen wurden wir vom Kellermeister der Sektmanufakur Szigeti, der uns alles über die Produktion von g.U.-Sekt anschaulich erklärte. Eine Verkostung durfte nicht fehlen. Zuletzt hatten Miriam und Felix je eine Flasche Szigeti Blanc de blancs Reserve „sabriert“.[1]

Wir blieben in Gols, am Weingut Juris. Dort haben uns Axel Stiegelmar uns seine Frau freundschaftlich, im ansprechenden Ambiente ihres Gartens empfangen. Nach einer kurzen Führung kosteten wir einige Schätze ihrer schmackhaften Weine. Hungrig vom langen Vormittag besuchten wir anschließend, das gleich über der Straße gelegene Restaurant Jacky’s Mühle. Die Tische waren reserviert, schön gedeckt und das Menü hat allen gut geschmeckt. Nach dem Kulinarium gingen wir zu Fuß zum Weingut Renner, um die Rennersistas kennenzulernen. Den „Family-Betrieb“, wie sie ihn nennen, gibt es nun schon in dritter Generation. Seit 2014 bringen Stefanie und Susanne neue Ideen und Gedanken in den Weinbau ein. Die 13ha Weingärten werden nach wie vor gemeinsam in Handarbeit bewirtschaftet. Seit 2012 biologisch-organisch! Interessant war auch, etwas über die Zubereitung von Humuspräparaten zu erfahren. Von den Lagen Altenberg, Schafleiten, Goldberg, Gebühl und Ungerberg konnten wir schließlich komplexe, nuancenreiche Weine mit gebietstypischem Charakter verkosten. Einfach echt guter Wein.

Nach einem Kurzbesuch in der Vinothek der Familie Ettl in Podersdorf, bei einem Apero-Frizzante vom Gelben Muskateller gingen wir an der Mole 1 an Bord eines Schiffes. Die Überraschung war gelungen, Herr Mucher 😊. Die eineinhalbstündige Überfahrt nach Rust, bei Sonnenuntergang, mit pannonischen, kalten Spezialitäten und zwei großartigen Weinen aus dem Seewinkel, vom Winzerhof Julius Steiner waren ein wohltuender und romantischer Abschluss des Tages.

Nicht nur kulinarisch ist die Landschaft am Neusiedler See eine Idylle. Geschichtlich und geologisch ebenso. Das hat uns am Samstag, Familie Jörn und Elvira Eberherr vermittelt.

DI Jörn Eberherr stammt aus Götzens in Tirol. Seit mehr als 20 Jahren ist er Winzer in St.Margarethen, wo einst die Tethys, ein Flachmeer, welches vor ca. 30 Millionen Jahren diese Region bedeckte, durch Muschelkalkablagerungen den Sandsteinbruch von St.Margarethen und die Böden dieser Region bildete. Nach der Führung zum Steinbruch und die angrenzenden Weingärten der Familie Eberherr kosteten wir im Weinkeller, im Barrique-Keller und in der Tiroler Stube die besten Weine des Hauses. Ein wahrer Genuss!

Es ging weiter in das neue Weingut Esterházy in Trausdorf bei Eisenstadt, empfangen mit einem Quinquin Sparkling Rosé. Die zeitgemäße Architektur und modernste Produktionstechnik haben uns beeindruckt. Alle Kellertanks sind stufenlos zu temperieren oder zu kühlen, so dass eine moderne Gärtemperaturführung gewährleistet ist.

Der Barrique-Keller fasst 600 Fässer und ist mit einer Wand aus Naturlehm ausgestattet, die für eine optimale Regelung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgt. Im Verkostungsraum servierte man uns nach der Führung köstliche Käsevariationen mit allerlei Chutneys. Dazu kosteten wir Weine aus den besten Lagen des Burgenlandes, im jeweils typischen Terroir. Die Weinakademikerin, Frau Angelika Sternat hat uns bei der Präsentation begeistert.

Rainer Kurz, Kellermeister und GF des Weingutes der Domaine Pöttelsdorf Familymade, gelegen in der Großlage Rosalia, wartete bereits auf uns. Herr Kurz empfing die SchülerInnen der Villa Blanka nicht zum Ersten Mal. Bereits in den neunziger Jahren wurden SchülerInnen und LehrerInnen zur Serviceunterstützung bei Weinpräsentationen ins Burgenland eingeladen. Zuletzt 2010. Die Besichtigung war sehr interessant, da die Dimensionen der Produktion von Wein, die Hauptsorte ist Blaufränkisch, sehr groß sind. Im neu gestalteten Wein-Shop findet man eine Vielzahl an Weinen, von denen wir einige verkostet haben. Besonders gefallen hat uns die Gestaltung der Etiketten.

Nicht einmal 10 Minuten entfernt haben wir beim Heurigen Stegschandl vor dem Mittagessen mit einem LOVE BIRD Frizzante, herrlich prickelnd und erfrischend, fein fruchtig nach süßen Kirschen und reifen Erdbeeren schmeckend zum Aperitif angestoßen.

Gemütlich und ausreichend verköstigt ging es nach St. Georgen bei Eisenstadt, zum Winzer Hans Moser. Er ist Ziehvater der Urrebe des Grünen Veltliner (St. Georgen-Traube). Am Tag der offenen Kellertür erhielten wir eine exklusive Präsentation der jungen Weine und konnten uns danach in der Vinothek des Hauses frei bewegen. Susanne und Johannes Moser, die beiden Juniorchefs der Winzerfamilie, betreuten die Gäste und erklärten uns viel Wissenswertes. Es war ein entspannter Nachmittag. Nach dem Fußmarsch zurück nach Eisenstadt verbrachten wir einen freien Abend in der Stadt der ehemaligen Römischen Provinz Pannonia.

Am Sonntag, den 6. Mai war ein weiterer Programmpunkt geplant. Nach einem köstlichen Frühstück in der Erlebnisbäckerei Naglreiter besuchten wir das größte Weinmuseum Österreichs im Untergeschoß von Schloss Esterházy. Eine spannende Führung, im Rundgang um die vier mächtigen Turmfundamente im Keller des Schlosses, mit viel Geschichte über den Weinbau zeigte uns auch den wirtschaftlichen und politischen Einfluss der Familie Esterházy. Nach einer Stunde und der Schnellbesichtigung der 700 Exponate, darunter die älteste Baumpresse des Burgenlandes wurde uns noch ein Glas Beerenauslese aus den Weingütern der Esterházy eingeschenkt.

Ein süßer Abschluss. Es würde sich bestimmt lohnen, das Weinland Burgenland ein weiteres Mal zu besuchen. Hier gibt es noch mehr zu entdecken. Für die schönen Preise zum Quiz möchten wir uns bei allen genannten Winzern herzlich bedanken. Besonders aber bei unseren engagierten Lehrern und Ausbildnern, Herrn FV Wolfgang Mucher, Herrn FL Wolfgang Modl für die wunderschöne, lehrreiche und motivierende Weinreise.

Die Jungsommeliéren und Jungsommeliers des Jahrganges 2017/18

[1] Das Köpfen von Sekt- oder Champagnerflaschen mit einem Säbel bezeichnet man als „Sabrieren“. Der Begriff leitet sich vom Säbel, auf Französisch „sabre“ ab. Man sagt, napoleonische Offiziere hätten die Flaschen angeblich immer mit ihrem Säbel geöffnet.